Vannevar Bush hatte die Idee eines Hypertextes, bevor es überhaupt Computer gab.
Er war Computeringenieur und im 2. Weltkrieg Präsident Roosevelts oberster technischer Berater. 1945 entwarf er in Gedanken eine Maschine, in die jemand alle seine Bücher einfüttern konnte. Bush dachte noch nicht an die damals viel zu teuren Computer, sondern an Mikrofilme. Bush nannte das Gerät Memex, memory extender, Gedächtniserweiterungsmaschine.
Bushs Ziel war es, die verschiedensten Bücher jederzeit sofort am Bildschirm zur Verfügung zu haben. Außerdem wollte er zu einzelnen Forschungsthemen Suchpfade quer durch die Literatur aufzeichnen. Vannervar Bush vertrat die Überzeugung, daß man Informationen besser wiederfinden könnte, wenn Archive nicht in künstliche Ordnungen gepreßt seien, sondern eine "natürliche" Ordnung behielten. So wie Menschen vor allem assoziativ, also in Querverweisen und -bezügen denken, sollten alle Dokumente durch assoziative Querverweise in Beziehung gesetzt werden. |
Ein Wunschtraum: die Intergration verschiedenster Text- und Bildquellen - und deren beliebige subjektive Verknüpfung.
Bushs Memex hätte eine Menge schorrender und ruckelnder Mechanik bedurft. Ein solch kompliziertes System war mit den damals zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmitteln nicht zu verwirklichen.
Durch die stürmische technologische Entwicklung im Wettrüsten konnten 20 Jahre später Douglas Engelbart und Ted Nelson die Idee sozusagen elekrifizieren, indem sie sie auf den Computer übertrugen.
Douglas Engelbart entwickelte 1968 das erste Hypertext-Systems überhaupt. Er nannte es ON-Line-System (NLS).
NLS konnte Textdateien mit bis zu 3000 Wörtern sammeln, diese sowohl hierarchisch, als auch netzartig verbinden, sie als Inhaltsverzeichnis darstellen und Dateien aus- und einblenden, je nach Wunsch.
NLS zu AUGMENT weiterentwickelt und beeinflußte die Entwicklung vieler anderer Hypertext-Systeme.
Engelbart hat auch die erste Computermaus als neuartiges Eingabegerät entwickelt. Er entwarf Hilfesysteme, die online, also während der Computerbenutzung, verwendet werden konnten. Außerdem machte er Vorschläge zur Entwicklung von Tele-Konferenzsystemen.
Praktisch einsetzbare Hypertexte und auch die Bezeichnung kommen jedoch von anderen Forschern.
Ted Nelson prägte den Begriff Hypertext. Er war der Auffassung, daß alle Informationsquellen in einer demokratischen Informationsgesellschaft frei zugänglich sein sollten. Am besten ließe sich dies verwirklichen, wenn alle Dokumente in einer Art gigantischem Hypertext miteinander verknüpft seien. Von jeder Stelle eines Bildschirmobjektes aus könnte man im Nu an jede andere springen, sogar über das gerade geladene "Dokument" hinaus zu allen anderen Zeichenobjekten, auf die der Computer Zugriff hat, egal, wo sie sich physisch befinden.
Somit gibt es unendliche Verweise und alles ist mit allem verknüpfbar. Nelson entwickelte das Konzept eines weltweiten Archiv-, Zitier- und Publikationssystems, das er Xanadu nannte. Der Begriff Xanadu stammt aus dem Gedicht des englischen Dichters Sir Samuel Coleridge "Kubla Khan". In diesem Gedicht beschreibt Coleridge -Xanadu- als einen magischen Platz, an dem sich ein "literarisches Gedächtnis" befindet. Nelson wollte also ein Computermodell für ein "literarisches Weltgedächtnis".