Zukünftig wird es auf der Suche nach Information keine geschlossenen Texte eines individuellen Autors mehr geben, sondern herbeigeklickte anonyme Informationspartikel, von überall und nirgends herbeiströmend, die sich der Benutzer auf dem Bildschirm individuell zusammenstellt. Heiko Idensen drückt diesen Sachverhalt folgendermaßen aus:

„Der Informationsprozeß gilt nicht mehr als bloßes Senden/Empfangen fertiger Dokumente, sondern wird selbst zum lebendigen Austauschprozeß, einem permanenten work in progress, der sich auf allen Ebenen des Netzes abspielt.“
„Alles kann mit allem verbunden werden. Connect it!“

Neuauflagen von Texten werden jederzeit möglich, deshalb wird Wissen nicht mehr veralten. Da jeder ein im Netz befindliches Textdokument verändert kann, verliert das statische Buchwissen an Bedeutung, Informationen befinden sich ständig im Fluß. Es ist möglich, Kommentare, Randbemerkungen, Kritik, Lob, Richtigstellungen, Widerlegungen zu einem Text anzubringen, und jeder ist sofort in der Lage, seinerseits darauf zu reagieren. Jedem Anwender muß es möglich sein, Informationen, Wissen, Medien und Kommunikationsmöglichkeiten selbständig zu nutzen. Daß dies schon in den Schulen gut erlernbar ist, beweisen u. a. elektronische Postsysteme im Fremdsprachenunterricht, die einen neuen, direkten Umgang mit Sprache und dem Kommunikationssystem bieten.

Zu sehen ist aber auch, daß Aussagen, die zum Beispiel als Belege für Referate, Hausarbeiten, Doktorarbeiten, Hausaufgaben und desgleichen mehr eine ganz andere Wertigkeit bekommen, da die betreffende Homepage nach einigen Wochen oder Jahren nicht mehr in ihrer ursrünglichen Form oder vielleicht überhaupt nicht mehr existiert.Somit zeigt sich im Zeitalter der Speicherbarkeit jeglicher Information folgendes Phänomen: der Hyperspace besitzt kein Gedächtnis. Informationen bestehen nicht für die Ewigkeit, sind nicht zu jedem Zeitpunkt in derselben Form abrufbar.

Daraus und aus der Tatsache, daß jeder Mensch seine Textdokumente einfach ohne Umweg über Verlage veröffentlichen kann, ergibt sich, daß der Benutzr von heute und morgen der Information aus dem Netz immer kritisch gegenüberstehen muß. Nicht alles, was aus den Tiefen des Netzes kommt, ist hochwertige und brauchbare Information. So entsteht der Begriff der „überfüllten Leere“, die durch Mißtrauen auf der einen Seite und Kontrollorgane auf der anderen gesteuert werden muß. Nötig sind also selbständige Anwender, die adäquat mit der ihnen angebotenen Wissensmenge umzugehen verstehen.

 

Ulrich Wechsler, ehemaliges Vorstandsmitglied der Bertelsmann AG meint: " Der Leser wird sich auch in 50 Jahren nicht mit einem Fernseher in die Sofaecke kuscheln oder eine Widmung in eine Bildpatte ritzen. Und auch in 50 Jahren wird es niemandem gelingen, zwischen zwei Bildschirmseiten ein Edelweiß zu trocknen.“ Diese Aussage macht noch einmal deutlich, daß Hypertexte und Bücher ganz verschiedene Ansprüche haben. Digitalisierte Texte, wie man sie zum Beispiel im Intrnet findet, dienen vorrangig der Informationsbeschaffung. Am Bildschirm wird nachgeschlagen, nicht nachgelesen. Dazu bietet ein Bildschirm nicht genug Textqualität; ganz zu schweigen von den oben im Zitat genannten ästhetischen Aspekten. Wissen wird gesucht, gefunden, erweitert, verändert, ausgetauscht. Bücher werden weiterhin für die "schöne Literatur" bestehen bleiben. Fest steht: die Tatsache, daß die Medien Text und Computer integrierbar sind, heißt nicht, daß sie durcheinander ersetzbar wären.