Um interaktive Bücher zu verstehen, muß man sich als erstes klarmachen, daß Interaktivität dadurch entsteht, daß alle Texte in Form von Hypertexten angelegt sind. Darum ist die erste Frage, die sich auf dem Weg zum interaktiven Buch stellt:

Hierzu gibt es ganz verschiedene Definitionsansätze. Der erste ergibt sich aus der reinen Bedeutung des Wortes: „hyper“ ist griechisch und bedeutet „über“. Bei Hypertext haben wir es also mit einem „Übertext“ zu tun. Formell gesehen kann man sich unter einem Hypertext auch eine bestimmte Darstellungsweise von Textinformationen vorstellen. Diese bietet die Gelegenheit, Informationen nicht wie in einem ganz normalen Text linear, also von vorne nach hinten zu lesen, sondern mit Hilfe von Knoten (links) zwischen einzelnen Textabschnitten (nodes) hin und her zu springen. Diese links heben sich farblich vom Text ab; der Cursor verwandelt sich, wenn er auf einen Knoten zeigt, von der gewohnten Darstellung in eine Hand.

Lesen wird somit zu einem selektiven Vorgang. Der Benutzer kann von jeder Verknüpfung zu jeder anderen springen, sich immer weiter verzweigen oder zum Ausgangsort zurückkehren. Der Benutzer ist so in der Lage, die jeweiligen Textabschnitte individuell in einen neuen Kontext zu stellen, seinen eigenen Assoziationen zu dem jeweiligen Thema nachzugehen. In gewisser Weise ist ein Hypertext lediglich die Umsetzung nicht- linearer Schreib- und Lesehilfen linearer Texte . Links sind mit Fußnoten, Querverweisen, Registern und Inhaltsverzeichnissen ganz normaler Bücher vergleichbar. Links bieten jedoch eine so große Menge an Verknüpfungsmöglichkeiten, daß ein Hypertext viel individueller anwendbar als ein normaler Text anwendbar ist: es besteht "Interaktivität durch Mausklick". (*) Einige Beispiele aus dem täglichen Computerleben sind Hilfefunktionen von Windows, Enzyklopädien, Archivs- und Bibliotheksprojekte im Internet.

Da sich ein Hypertext bei seiner Vermittlung von Informationen meist nicht nur auf Text beschränkt, sondern auch Ton, Grafiken, Tabellen, Animation, Videos etc. als Medien mit einbezieht, setzt sich zunehmend der Begriff „Hypermedia“ durch . Ted Nelson, amerikanischer Computervisionär, sagt dazu:

„Hypertext ist eine sehr biologische Art der Informationsvermittlung, da er nachahmt, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet, organisiert und wiederfindet. Er schafft einen organischen Informationsraum, im Gegensatz zu dem künstlichen linearen Format, das vom Druckparadigma erzwungen wurde...Hypertext erlaubt die Herstellung außerordentlich reichhaltiger, flexibler Metadokumente, besonders in Verbindung zu Multimedia, mit denen er zur sogenannten Hypermedia verschmilzt.“

Wir sehen also: Dies ist ein Hypertext! Wir hoffen natürlich sehr, den Ansprüchen eines solchen Mediums einigermaßen gerecht zu werden und wünschen weiterhin viel Spaß beim Lesen, von- Knoten- zu- Knoten- Springen, Verlieren, Wiederfinden, Lernen, Navigieren, Kopieren, Diskutieren, Kritisieren, Loben,....